• Natascha Herrmann

Wie meine Intuition und die Notsectio das Leben meiner Tochter rettete

Ich hatte mir unsere Geburt wahrlich ganz anders vorgestellt. Ich war der tiefsten Überzeugung, dass wir unsere Hausgeburt mit liebevollen Menschen haben werden.

Bis zum Vollmond im August war dieser Wunschgedanke da. In dieser Vollmondnacht war ich überrascht, wie gut ich schlafen konnte und dachte nur kurz daran, dass sich mein kleines Bauchbaby seit dem Tag davor wenig und sehr sanft bewegte. Ich schob es auf ihre aktive Zeit davor und, dass sie sich nur erholen müsste.


In der Früh gab es auch nur einen sanften „Guten-Morgen-Tritt“ und dann schob ich meine Gedanken wieder zur Seite, da die große Schwester aufwachte und noch immer hustete. Ich überlegte kurz, wie wir den Tag heute gestalten sollen, da ich meinen letzten Termin bei der Osteopathin vereinbart hatte.


Mein Mann hatte sich kurzfristig frei genommen- spürte er intuitiv, dass heute noch was geschehen wird?

Der Termin war sehr erholsam und kraftgebend und ich scherzte noch herum, dass sie bitte keine wehenauslösenden Punkte behandeln soll, da unsere Hausgeburtshebamme noch bis Sonntag Abend auf Urlaub sei und dann darf es erst losgehen.





Nach dem Termin holte mich mein Mann mit unserer Tochter ab und wir fuhren nach Hause. Als ich ins Auto einstieg überkam mich ein sehr seltsames Gefühl und ich begann meinen Bauch abzutasten. Ich flüsterte meiner Tochter zu, dass sie mir wie immer, wenn ich mir Sorgen machte, ein Zeichen geben sollte. Nichts. Keine einzige Reaktion.

Ich flüsterte meinem Mann zu, dass ich mir Sorgen mache, ob alles in Ordnung sei und werde jetzt gleich unsere Vertretungshebamme anrufen.


Zuhause angekommen rief ich sie an und sie meinte, dass sie am Nachmittag zu uns kommen kann und dass es schon mal sein kann, dass es ein ruhigerer Tag ist. Sie meinte auch, dass ich zur Sicherheit ins KH fahren kann, um ein CTG zu machen.

Ich mag absolut keine KH,


aber eine leise Stimme flüsterte mir zu „Fahr!“ „Sofort!“

Im KH angekommen wurde sofort ein CTG gemacht. Nach 5 Minuten kam die Hebamme wieder und sagte mir, dass schwache Herztöne da sind bzw. sie immer wieder abfallen und keine Kindesbewegungen zu sehen sind. Die Ärzte erklärten mir, das sie meine Tochter sofort per Sectio holen müssen.

Ich war geschockt.

Ich fragte nach, ob das nun wirklich sein muss oder ob es nur eine Vorsichtsmaßnahme ist. Ich erklärte ihr, dass ich viele Frauen begleite, wo einfach eine Sectio gemacht wird, ohne, dass es ein akuter Notfall war.


Der Arzt hinter ihr wurde immer nervöser und schlug die Hände übern Kopf zusammen. Er drängte und sagte wir müssen los. Ich ignorierte ihn, weil ich 100% sicher sein wollte, dass das, was mich nun erwartete, wirklich ein akuter Notfall ist. Die Ärztin erklärte mir die Auswertung des CTGs und rüttelte nochmals meinen Bauch. Sie sah mich ernsthaft an und erklärte mir mit ihren sanften Stimme:


„Ihren Baby geht es absolut nicht gut- wir müssen jetzt sofort handeln.“

Die nächsten 15-30 Minuten durchlebte ich eine Gefühlsachterbahn und meine Gedanken drehten sich im Kreis.


Irgendwann begann ich die Ruheatmung zu praktizieren und spürte, wie sich ein wohliges Gefühl um mich herum ausbreitete und ich erinnerte mich an meine wundervolle Blessingwayfeier sowie an die liebevollen und herzlichen Worte meiner Frauen.

Ich gab meinem Körper die Erlaubnis mich zu öffnen, nach oben und nach unten für dieses Geburt.


Die Worte Vertrauen und Hingabe begleiteten mich nun.

Ich hörte im Hintergrund, wie die Checkliste durchgegangen wurde und mehrmals gefragt wurde, ob die Kinderärzte schon da sind und dann ging alles so schnell.

Ich hörte die Ärztin mit ihrer sanften und liebevollen Stimme, wie sie meine Tochter begrüßte und sah wie jemand mit meinem Baby davonging.


Die nächsten Minuten vergingen wie eine Ewigkeit. Mich begleiteten Gefühle des Versagens, nicht gut genug auf mich und meinem Körper geachtet zu haben und ich suchte ständig bei mir die Schuld, dass es soweit kam.

Ich hinterfragte sogar meine Arbeitsweise mit den Frauen, die ich begleitete und machte mir Vorwürfe zu selbstbestimmt und intuitiv sein zu wollen.




Irgendwann hörte ich eine erleichternde Stimme: Sie wird rosig!

Kurz darauf stand eine ältere Frau neben mir und erklärte mir kurz, was los ist.

Ich nickte und weinte.

Ich weinte vor Besorgnis und vor Erleichterung, dass meine Tochter lebt!


Nach 2 Stunden konnte ich meine Tochter endlich sehen und in die Arme nehmen. Sie hat sich innerhalb kürzester Zeit von den Strapazen erholt und ich konnte sie sogar stillen.


Die darauffolgende Nacht war der Horror. Getrennt von meinem Baby, wachte ich immer wieder zitternd und von Schmerzen durchströmt, trotz starker Schmerzmittel, auf und weinte viel.





Natürlich versuchte ich die ersten Wochen gemeinsam mit den Ärzten und den Hebammen einen medizinischen Grund zu finden, warum es soweit kommen konnte, aber dies wird wohl das größte Mysterium bleiben. Es war einfach der Weg, den sich meine Tochter ausgesucht hat, um in dieser Welt anzukommen.


Ich habe gelernt, dass wir uns noch so gut auf die Geburt vorbereiten können, aber unsere Kinder auch ihren Teil dazu beitragen. Es ist schließlich ihre Geburtserfahrung, die sie nicht ohne Grund so machen.

Ich habe gelernt, dass selbstbestimmt gebären auch bedeutet, zu spüren wann weitere Unterstützung notwendig ist und immer - wirklich immer- auf die eigene Intuition zu hören!


Durch die liebevolle Begleitung war diese Geburtserfahrung zwar ein wahrlicher Schock, aber ich wurde nicht traumatisiert. Ganz im Gegenteil: ich gehe aus diesem Geburtserlebnis noch gestärkter, intuitiver und voller Vertrauen in das Leben hervor.

Ich trauere um meine nicht erlebte Hausgeburtserfahrung und das wird mich bestimmt noch oft einholen, aber dieses Geburtserlebnis hat mir nochmals ganz deutlich gezeigt, wer ich wirklich bin und dass meine Lebensaufgabe darin besteht:





Ich freue mich von dir zu lesen. Lass mir gerne deine Gedanken da.

Wie war deine eigene Geburt? Wie war die Geburt deiner Kinder?


Von Herzen Alles Liebe,

Natascha